Klassenkultur aufbauen und lenken

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3. Regeln

Regeln dienen als Richtlinie, um Verhaltensweisen und Abläufe zu klären. Regeln sind oft nicht eindeutig, diese einzuhalten erfordert ein hohes Mass an Selbststeuerung.  Zudem sind manche Regeln so idealistisch formuliert, dass sie nicht verstanden und damit nicht befolgt werden können. Wichtige, klar formulierte, verstandene und erfüllbare Regeln sind hilfreich, um mit den vielen möglichen Unklarheiten im Schulalltag umzugehen (Keller-Schneider, 2018, S. 263ff.).

Regeln sind unterschiedlich komplex

  • Welche Regeln sollen in Ihrer Klasse gelten?
    • Listen Sie diese auf.
  • Wie eindeutig und verständlich sind diese?
    • Nutzen sie die Hinweise in Abbildung 8 (s. weiter unten), um die Komplexität der Regel zu erkennen.

Abbildung 8 beinhaltet Regeln, die aus einer 5. Klasse stammen (Keller-Schneider, 2018, S. 264ff.). Gestützt auf das Modell der Taxonomie von Komplexitätsgraden (Anderson & Krathwohl, 2001) lassen sich diese auf unterschiedlichen Stufen ansiedeln.


Regeln setzen unterschiedliches Vorwissen voraus und stellen je spezifische Anforderungen dar, damit diese Regel eingehalten werden kann. Fähigkeiten der Selbstwahrnehmung, der Selbststeuerung und der Selbstreflexion sind erforderlich. Damit wir klar: Es reicht nicht, Regeln zu erläutern oder zu erarbeiten. Regeln einhalten können, erfordert einen Lernprozess, der individuell sehr verschieden sein kann und bei einigen Schülerinnen und Schülern von der Lehrperson begleitet werden muss. Eine Regel befolgen zu können, braucht ein Wissen, um diese zu verstehen. Zusätzlich braucht es auch die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich an eine Regel zu halten. In diesen Abschnitt werden die Regeln und ihre Komplexität beleuchtet. In den Ausführungen zu «Umgang mit herausforderndem Verhalten» ist der Fokus auf die Schülerin oder den Schüler gerichtet, welche oder welcher sich an die Regel halten soll.

Abb. 8. Regeln auf unterschiedlichen Komplexitätsgraden (Keller-Schneider, 2018, S. 265f.).


Erläuterungen zu den Regeln


Eigene Regeln klären

Mit diesen Überlegungen wird klar, wie komplex die Anforderungen sind, welche die Schülerinnen und Schüler bewältigen müssen, um Regeln befolgen zu können. An diesem Punkt setzen die Anforderungen an die Lehrperson an. Sie ist gefordert, die Schülerinnen und Schüler, je nach ihren individuellen Voraussetzungen, intensiver oder weniger intensiv darin zu belgeiten, die Regeln zu befolgen, befolgen zu können und befolgen zu wollen.


Bedeutung der Regel klären


Regeln sollen wichtig und erfüllbar sein

Regeln sollen für das Lernen und die Klassenkultur wichtig und für die Schülerinnen und Schüler erfüllbar sein (Abb. 9). Regeln sollen wichtige Verhaltensweisen fassen. Das erwünschte und erwartete Verhalten soll für den Schulalltag und zugleich auch für das Lernen der Schülerinnen und Schüler von Bedeutung sein.

Da es sinnvoll ist, nur wenige Regeln zu formulieren, diese aber als Richtschnur zu verwenden, muss ausgewählt werden, an welcher expliziten Regel gearbeitet werden soll. Regeln sollen so formuliert sein, dass sie grundsätzlich erfüllt werden können, wenn man sich darum bemüht. Gelingt das Einhalten, so ist die Regel zur Selbstverständlichkeit geworden. Als explizite Regel braucht es diese nicht mehr. Das ausformulierte Verhalten ist zur Ressource geworden, auf die sich die Klasse stützen kann.

Abb. 9. Regeln nach wichtig und machbar prüfen (Keller-Schneider, 2018, S. 270).

  • Prüfen Sie die Regeln zum erwünschten Verhalten in Ihrem Schulzimmer: Wie wichtig ist die Regel? Wie erfüllbar ist sie?
  • Richten Sie den Blick auf die Klasse insgesamt und positionieren Sie die Regeln in der zweidimensionalen Darstellung.
  • Nehmen Sie einzelne Schülerinnen und Schüler in den Blick und positionieren Sie diese ebenfalls im Feld.
  • Prüfen Sie, inwiefern die Regel für die eine Schülerin oder den anderen Schüler klarer und erfüllbarer formuliert werden muss, damit sie oder er diese erfüllen kann, wenn es sich darum bemüht.

  • Christian, H. (2003). Das Klassenklima fördern. Ein Methoden-Handbuch. Berlin: Cornelsen.
  • Keller-Schneider, M. (2018). Impulse zum Berufseinstieg. Bern: hep.
  • Weidinger, W., Berner, H. & Isler, R. (2021). «Einfach gut lernen», Kap. 2. Bern: hep.
  • Schilling, D. (2000). Soziales Lernen in der Grundschule. 50 Übungen, Aktivitäten, Spiele. Mülheim: Verlag an der Ruhr.

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