Klassenführung – indirekt auf herausforderndes Verhalten eingehen

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3. Den Fokus auf Funktionierendes in der Klasse legen:

Jede Klassendynamik verfügt über Stärken, über Interaktionen, die lernförderlich sind und zum Wohlbefinden beitragen. Diese zu erkennen und zu stärken, kann zu einem positiven Klassenklima beitragen (vgl. Die Situation verstehen – Entwicklungsquadrat). Wenn es Ihnen gelingt, positive Qualitäten Ihrer Klasse zu erkennen und sie den Schülerinnen und Schüler wertschätzend zurückzumelden, so tragen Sie selbst zur Stärkung des positiven und wertschätzenden Klassenklimas bei.


Was funktioniert in der Klasse

  • Erkennen Sie, was in der Klasse funktioniert und womit Sie zufrieden sind.
  • Halten Sie Gelingendes als «Sternstunden» fest.
  • Besprechen Sie mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam, was in der Klasse funktioniert und womit Sie und/oder die Schülerinnen und Schüler zufrieden sind (z.B. im Rahmen des Klassenrats; Keller-Schneider, 2018, S. 279ff.).
  • Nutzen Sie die Klassenregeln, auch jene, die nicht mehr von Bedeutung sind, weil sie aktuell selbstverständlich funktionieren. Greifen Sie diejenige heraus, die funktionieren (vgl. Regeln) und bezeichnen Sie diese als «Schätze» der Klasse (Keller-Schneider, 2018, S. 263ff.). Damit geben Sie dem Erreichten eine positive Wertschätzung und stärken die Schülerinnen und Schüler in ihrem Wirksamkeitserleben. Alle Beteiligten tragen dazu bei, dass der Unterricht gelingt.

Worauf können sich alle verlassen?

  • Welche Selbstverständlichkeiten und Normalitäten bestehen?
  • Worauf können die Schülerinnen und Schüler sowie auch Sie sich stützen.
  • Notieren Sie sich solche Selbstverständlichkeiten als «Sternstunden».
  • Besprechen Sie es mit den Schülerinnen und Schülern, z.B. im Rahmen des Klassenrats.
  • Wird nach dem positiven Kern eines herausfordernden Verhaltens gesucht und wird dieser Kern gestärkt, so tritt das herausfordernde Verhalten in den Hintergrund (Die Situation verstehen – Entwicklungsquadrat; vgl. auch Schulz von Thun, 1990; Keller-Schneider, 2018, S. 105f.; Westermann, 2006).

Was können wir vermehrt tun, damit das, was funktioniert, uns besser unterstützt?

Funktionierendes zu pflegen, trägt zur Stärkung aller bei!

  • Überlegen Sie sich, was Sie vermehrt tun können, um das, was funktioniert, zu verstärken. Richten Sie dabei Ihren Blick auf das, was Sie und auf das, was die Schülerinnen und Schüler gut machen.
  • Besprechen Sie mit den Schülerinnen und Schülern, wer was vermehrt tun kann, damit das, was gut läuft, noch besser funktionieren kann (z.B. im Klassenrat).

  • Blum, E. & Blum, H. (2012). Der Klassenrat – Ziele, Vorteile, Organisation. Mülheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr.
  • Brandstätter, V., Schüler, J., Puca, R. & Lozo, L. (2013). Motivation und Emotion. Berlin: Springer.
  • Frick, J. (2007). Die Kraft der Ermutigung. Göttingen: Hogrefe.
  • Hagenauer, G., & Hascher, T. (2018). Emotionen und Emotionsregulation in Schule und Hochschule. Münster: Waxmann.
  • Hascher, T. & Hagenauer, G. (2011). Emotionale Aspekte des Lehrens und Lernens. In S. Brandt (Hrsg.), Lehrern und Lernen im Unterricht (S. 127-148). Hohengehren: Schneider.
  • Keller-Schneider, M. (2018). Impulse zum Berufseinstieg von Lehrpersonen. Grundlagen – Erfahrungsberichte – Reflexionsinstrumente (Kap. 5.2). Bern: hep.
  • Rüedi, J. (2014). Zur Bedeutung positiver Beziehungen für die Klassenführung und den Umgang mit Unterrichtsstörungen. Schulpädagogik heute, 5(9).
  • Grewe, N. (2017). Soziale Interaktion und Klassenklima. In M. Schweer M. (Hrsg.), Lehrer-Schüler-Interaktion. Wiesbaden: Springer VS, S. 547–560.
  • Westermann, F. (2006). Wer einen Schlüssel hat, der Türen öffnet, braucht nicht durch die Wand zu gehen! Das Entwicklungsquadrat – eine Einführung. In f. Westermann (Hrsg.). Entwicklungsquadrat. Göttingen: Hogrefe, S. 9-20.

Mehr dazu: Elemente von Klassenführung

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