Die Dynamik der Klasse verstehen

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1. Was tut sich?

Eine Gruppe ist mehr als die Summe ihrer Elemente, denn es handelt sich nicht um statische Elemente, sondern um dynamische Akteurinnen und Akteure. Eine Gruppe wird durch die Personen, ihre Beziehungen und ihre Interaktionen geprägt. Eine Schulklasse ist eine spezielle Gruppe, denn sie besteht aus zufällig zusammengesetzten Menschen, die in einer hierarchischen Beziehung stehen. Die Gruppenmitglieder können die Gruppe nicht verlassen, wenn es ihnen nicht mehr gefällt (Keller-Schneider, 2018, Kap. 5.1). Zudem sollen von der Gruppe und von jedem Mitglied bestimmte Ziele erreicht werden (Herzog, 2011). Damit entsteht ein sehr dynamisches Gefüge (Rechtien, 2003). Beziehungen müssen gestaltet und gepflegt werden.

Die Lehrperson ist dabei zentral:

  • als Gegenüber und damit als Beziehungspartner bzw. -partnerin (Thies, 2014).
  • als für das Klassenklima und die Beziehungen unter den Kindern zuständig (Schweer, 2008).
  • als für den Rahmen des Geschehens verantwortlich (Ophardt & Thiel, 2008).

Veränderung gehören zum Alltag, Konflikte entstehen und sind dazu da, gelöst zu werden und damit weiterzukommen. Was sich tut in einer Gruppe, muss von der Lehrperson wahrgenommen werden, um Prozesse zu erkennen. Sich lediglich auf Schwierigkeiten und Konflikte zu konzentrieren verunmöglicht, die Potentiale der Gruppe und das gut Funktionierende zu erkennen.


Beziehungen unter den Schülerinnen und Schülern wahrnehmen

Eine Gruppe ist von Beziehungen zwischen den Mitgliedern und dem Mass ihres Einflusses geprägt. Gewisse Schülerinnen und Schüler stehen sich näher, andere weniger. Einige Schülerinnen und Schüler üben mehr Einfluss auf andere aus, andere sind zurückhaltender und unscheinbarer. Alles in Allem entsteht ein lebendiges Gefüge (Keller-Schneider, 2018; S. 258).

  • Was tut sich? Halten Sie Beobachtungen fest.
  • Wer ist auf wen ausgerichtet?
  • Bei wem harmoniert die Nähe, bei wem führt sie zu Konflikten?
  • Wann oder wodurch verursacht sich ein Gefüge?
  • Was trägt dazu bei?
  • Wie kann Raum geschaffen werden, wenn bestimmte Schülerinnen und Schüler in einer konfliktreichen Beziehung aufeinander fixiert sind?

Damit nicht alles auf Ihren Schultern lastet, lohnt es sich, die Schülerinnen und Schüler in die Lösungssuche einzubeziehen.

  • Was kann ein Kind tun, um sich autonomer und freier in der Klasse zu bewegen?


Schülerinnen und Schüler in die Gestaltung des Schulzimmers und der Bankordnung einbeziehen

Wo sich Schülerinnen und Schüler wohl fühlen, um arbeitsfähig zu sein, hängt insbesondere auch von ihrer Bereitschaft dazu ab. Einige Aspekte sind ihnen bewusst, andere nicht. Durch Reflexionsfragen kann dies aktiviert und bewusst gemacht werden. Bankordnungen und Sitzplätze können mit den Schülerinnen und Schülern besprochen werden.



Mehr dazu: Entwicklungsphasen

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